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Prima, Ballerina!

Wo findet man jetzt noch Tannenbäume außer als Duftanhänger im Auto? Richtig, in der Liederhalle in Stuttgart. Auf seiner 33. Auslandstournee hat das Festivalballett Sankt Petersburg mit “dem Nussknacker” wieder Weihnachten nach Stuttgart gebracht. Jaja, die letzten 11 Monate sind schneller rum gegangen als sonst – und ehe man sich versieht, ist es schon wieder Heiligabend. Zumindest für die nächsten zweieinhalb Stunden.

Für alle, die den Nussknacker nicht kennen: Die Story basiert auf dem Märchen von E.T.A. Hoffmann, wurde ursprünglich mit der Musik von Tschaikowsky als Puppenballett für Kinder aufgeführt und hat deshalb nur zwei Akte. Die Handlung ist dementsprechend auch für kleine Ballettliebhaber geeignet und lehnt sich an die klassische Heldenreise an: 

Es ist Heiligabend und die kleine Marie erhält von ihrem grotesken Onkel Drosselmaier einen mechanischen Nussknacker, in den sie sich sofort verliebt. Wie Kinder nunmal so sind, will sie ihn nicht mehr hergeben und schläft mit ihm unter dem Weihnachtsbaum ein. Unter den Zweigen hat sie einen magischen Traum, in dem der Nussknacker lebendig wird. Es stellt sich raus, dass er ein verzauberter Prinz ist (wer hätte das gedacht?), der unter dem Bann des Mäusekönigs steht. Nach einem Kampf besiegt der Prinz den Mäusekönig, bricht den Fluch und feiert gemeinsam mit Marie in einer verzauberten Welt seinen Triumph.

Chapeau, Sankt Petersburg, für dieses tolle Ensemble! Mit Liebe zum Detail ist der Beethovensaal der Liederhalle in eine fantastische Märchenwelt abgetaucht. Das lag nicht nur mit dem weihnachtlich-magischen Bühnenbild, sondern auch an dem Kostümdesign der Tänzer. Vor allem die venezianisch angehauchte Maske von Onkel Drosselmeier und ein Mäusekopf mit Krone haben dem Stück den Flair von Bösewichten verliehen, die wir auch aus den Märchen kennen. Was uns auch sehr gut gefallen hat, war die Inszenierung der verzauberten Welt durch fünf Tanzpaare in orientalisch, spanisch, ungarisch, russisch und asiatischen Trachten, die in den letzten zwei Akten mit landestypischen Tanzstilen ihren großen Soloauftritt hatten.

Leider gibt es auch zwei Minuspunkte. Der erste ist, dass man das Stück ohne Hintergrundwissen nicht versteht. Es gab zwar eine Moderatorin, die den Betrachter in die Geschichte eingeführt und abgeholt hat. Aber leider hat das nicht ausgereicht, um der Handlung zu folgen. Natürlich ist das Ballett und kein Theater, aber vielleicht hätte man das informativer lösen können (oder wir uns einfach im Vorfeld informieren).

Der zweite Punkt ist, dass das Stück wie schon erwähnt, nur zwei Akte hat. Das bedeutet, die restlichen zwei wurden willkürlich gefüllt. Beim dritten Akt ist das recht gut gelungen. Die Soloperformances der fünf Tanzpaare knüpft zumindest inhaltlich an die Hauptgeschichte an. Der vierten Akt ist allerdings mit Tanzepisoden aus anderen Tschaikowski Stücken wie z.B. Schwanensee ein zusammengestückelter Lückenfüller und wirkt sehr angeklebt.


Alles in allem war es gerade durch die akustische Performance der Liederhalle ein großartiger Act mit tollem Unterhaltungswert. Was die künstlerische Darbietung angeht, macht das Festivalballett Sankt Petersburg seinem Ruf alle Ehre und darf uns gerne noch ein 34. und 35. Mal in Stuttgart besuchen kommen :)

 

Quelle Bilder: Sibylle Roth | lokalstolz

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