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Dein Stuttgart - Deine Musik

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Es ist wirklich kein Geheimnis mehr, dass es unzählige musikalische Talente in Stuttgart und Umgebung gibt. Jede/r hat seine eigene kleine Geschichte wie sie oder er die Liebe zur Musik entdeckte und wie sich die daraus entstanden Aktivitäten entwickelten. Den einen fällt es einfacher, da sie ein angeborenes Talent haben und die Anderen geben sich die allergrösste Mühe, denn wie heisst es so schön

„Hard work beats Talent“.

Grundsätzlich kann man sagen, dass es in Bezug auf Djs eher ein Mix aus musikalischem Talent und intensiver Arbeit ist, wenn man die Ambitionen hat, durch Expertise und Skills zu glänzen und als fähiger, guter Dj, der es versteht das Publikum zu lesen und zu unterhalten, anerkannt zu werden.

Im Fall von Dj Les kann man mit Sicherheit sagen, dass die genannten Anforderungen zutreffen. Dj Les, mit bürgerlichen Namen Tekin Dogan, ist durch und durch ein Stuttgarter Hip Hop Junge, hier geboren und aufgewachsen. Geprägt von der Hip Hop Tradition der Stadt, ist er folglich mit dieser Kultur aufgewachsen, was sich in seinem musikalischen Know-How und Sound widerspiegelt. Sein Repertoire ist vielfältig und facettenreich, was genau das Richtige ist, wenn man die unterschiedlichen Locations betrachtet in denen er spielt.

Als Clubbesucher muss man ihn mögen, da er nicht festgefahren ist und immer wieder neue Songs einbaut. Und die Ladies, denen der ein oder andere Song nicht zusagt, lassen sich wenigstens damit trösten, dass Les ein hübscher Kerl ist.
Wäre das hier ein Arbeitszeugnis würde man reinschreiben, dass Tekin seine Arbeitsaufgaben stets zur vollsten Zufriedenheit erledigt, ein gutes Ansehen unter seinen Kollegen genießt und sehr hilfsbereit ist.

Wir haben Dj Les getroffen und ihm 7 Fragen gestellt.

1. Die meisten entwickeln schon in frühem Teenageralter ihre musikalischen Geschmäcker und sind oft geprägt von älteren Geschwistern oder ähnlichem. Wie bist du auf die Hip Hop Kultur gestoßen?

Um ehrlich zu sein ging es mir genauso. Da meine Schwester 7 Jahre älter ist als ich und sich auf Seiten wie IMesh, die es damals gab, sämtliche Alben runterlud und diese unüberhörbar abspielte, kam ich dadurch in Kontakt mit der Musik. Eigentlich waren es anfangs mehr RnB Alben von Interpreten wie Usher und Destiny’s Child die mein Interesse weckten. Wie viele andere auch zur damaligen Zeit hatte ich eine Vorliebe fürs Tanzen und konnte meine Moves im Jugendhaus bei uns üben. Diese wurden dann auf den 14er und 16er Discos unter Beweis gestellt, mehr oder weniger.

2. Entstand das Interesse fürs Auflegen zusammen mit der Liebe zum Hip Hop?

Das war am Anfang einfach ein Hirngespinst. Damals als ich 12 war und Dj Deekay immer auf diesen Partys aufgelegt hat, hab ich ihn beobachtet und dachte mir, dass ich das auch lernen und machen will. Das Interesse war also da, aber auf Grund der Tatsache, dass ich zu der Zeit Leistungssport betrieb, kam das nicht in Frage.

3. Leistungssport? Welche Sportart hast du denn ausgeübt und welche Erfahrung hast du da gemacht?

Ich hab leidenschaftlich Fußball gespielt und war 5 Jahre beim VfB Stuttgart und 7 Jahre bei den Kickers. In meinem Jahrgang traf ich auf einige Spieler, die jetzt Profis sind und in den Top-Ligen spielen wie Mario Götze und David Alaba, um mal zwei zu nennen. Leider habe ich mir eine schwere Verletzung zugezogen. Ein Knochenmarködem in meinem rechten Fuss beendete leider meinen Fussballtraum. Diese Verletzung ist auch eigentlich bis heute noch nicht richtig abgeheilt. Ich musste damals dann die traurige Entscheidung treffen und mich gegen den Fussball entscheiden.

4. Und dann dachtest dir „Ok was solls werde ich halt Dj“?

Haha nein nicht ganz. Nach dem Abi fing ich an im Palm Beach Stuttgart als Barkeeper zu arbeiten. Dort gab es einen PC mit einer Jukebox und auf diesem PC gab es bestimmt genreübergreifende 100.000 Songs. Also von fast jedem Interpreten auf der Erde. Musikbegeistert wie ich bin, saß ich tagtäglich vor meiner Schicht an diesem PC und kreierte eine Playlist für die Spätschicht. Darin waren Songs wie z.B. von Erick Sermon, Redman, Brandy und zig andere Interpreten. Meine Kollegen freuten sich immer wenn sie mit mir in einer Schicht waren, schliesslich bekamen sie neue Beats und gute Musik zu hören. Irgendwann brachte ich auch von zuhause Beats mit und fügte sie in die Playlists ein. Meine Freunde und Kollegen animierten mich dazu und sagten mir immer, dass ich einen guten Musikgeschmack habe und dass ich ganz dringend Dj werden müsse. So hat sich das dann mehr oder weniger entwickelt.

5. Das war also die Geburt von DJ LES? Wieso der Name?

Ich hieß damals schon auf Facebook Tekin Les, hatte irgendwie keine Lust meinen Nachnamen zu benutzen. Naja und Les kommt davon, dass ich ein Ryan Leslie Fan war/ bin. Klingt für manche vielleicht lustig ist aber die Wahrheit, dazu stehe ich. Jedenfalls nannten mich dann alle DJ LES und so wurde aus Spass Ernst und der Dj Name blieb bestehen.

6. Heutzutage denkt jeder er könne einfach Dj werden. Ein Laptop, ein paar Gigabyte Musik und Serato sei dank. Ist das tatsächlich so einfach oder braucht es mehr dazu?

Ich denke nicht, dass alles so einfach ist wenn man sich als Ziel setzt richtig gut zu werden. Ich habe damals zum Beispiel echt viel gearbeitet, um Geld zur Verfügung zu haben und mir damit dann das ganze nötige Equipment zu kaufen, um daheim üben zu können.
Ich bin in die Clubs gegangen und habe Dj Passion zugehört, hab versucht zu verstehen warum und wann welche Musik läuft. Ich ging soweit, dass ich mich teilweise wenn Passion aufgelegt hat an die Bar gehockt habe und jedes einzelne Lied mit Uhrzeit nacheinander aufschrieb, um zu verstehen was er da macht.

Dann hab ich Dj Master HP kontaktiert, weil ich gehört hatte, dass er angehenden Djs Nachhilfe gab. Er lud mich zu sich ins Studio ein und hat irgendwie gleich gemerkt, dass ich extrem motiviert war. Wir haben uns von Anfang richtig gut verstanden und er meinte dann, ich solle erst bei einem Kollegen von ihm die Technik lernen, weil er zu der Zeit viel um die Ohren hatte, dann solle ich daheim meine Musik überarbeiten. Er versprach mir mich unter seine Fittiche zu nehmen und mir zu helfen. Ich bin dann jeden Tag heim und hab stundenlang Listen gemacht. Habe bestimmt 5.000-10.000 songs durchgehört, alle Lieder durchgezählt, herausgearbeitet an welchen Stellen man Übergänge machen könnte und habe sie in Ordner sortiert. Wenn ich zurück überlege war das bestimmt eine Arbeit von täglich 4-5 stunden in einem Zeitraum von 3 Monaten. Lustigerweise stellte sich am Ende heraus, dass ich das alles gar nicht hätte machen brauchen, aber das war halt so mein Weg, das gab mir eine gewisse Sicherheit. Ich nahm also Unterricht und erlernte die Technik. Nichts kommt einfach so und man muss sich Mühe geben, alles andere ist Quatsch.

7. Wie hast du deinen ersten Gig in Erinnerung und wie kamst du an weitere Bookings?

Ich bin gestorben vor Angst und Nervosität haha. Dj Master HP rief mich plötzlich irgendwann an und sagte mir, dass ich an dem Abend mit ihm und Dj Swed Lu auf der Stuttgart Goes Crazy im To-12, das jetzige Kala auflegen müsse. Ich hatte übel Angst und sagte dann „Nee mach ich nicht, ich bin noch nicht soweit“. Er aber hatte es da schon auf Facebook gepostet und die Ansage gemacht. Was hätte ich tun sollen? Also bin ich hin, hab eine Stunde aufgelegt und es lief ganz gut, Gott sei dank keine Katastrophe wie anfangs befürchtet.

Anschliessend nahm mich Dj Master HP fast jedes Wochenende auf seine Gigs mit und ließ mich immer ein bisschen spielen, gab mir immer Tips und sagte mir was ich richtig und falsch mache. Er hatte gute Kontakte und hat mich überall hingebucht. Somit hat er mir 4-5 Dates im Monat abgecheckt und die anderen 2-3 tage war ich dann weiterhin im Palm Beach als Dj tätig.

Dj Master Hp hatte dann auch eine Veranstaltung im Proton die „Seductive“ hieß an jedem 1. Samstag des Monats, wo ich auch regelmässig auflegen durfte. Ich startete dann auch meine eigene Eventreihe und hab jeden Freitag im Palm Beach meinen „Les Friday“ gemacht, wo ich dann überwiegend an den Turntables anzutreffen war.
So hat sich das alles entwickelt und ich bin sehr glücklich darüber, dass es eigentlich immer bergauf geht und ich mich weiterentwickeln kann. Ich bin jedes Wochenende unterwegs, darf in angesagten Clubs wie People, Aer Club, Cavos, Romy S und Schankstelle auflegen und das tun was mir am meisten Spass macht.

Wir bedanken uns für das Interview und wünschen Tekin aka "Dj Les“ weiterhin viel Erfolg.

Text: Victor Amiri

Foto: Alexi Tacos

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