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How to be a Schwabe

How to be a Schwabe

Ja, wir Stuttgarter Schwaben sind schon so ein Volk für sich. Wer ins Schwabenland zieht, der hat so einige Hürden zu nehmen, bis er sich zurechtfindet. Genau da wollen wir helfen. Und gleichzeitig auch ein bisschen uns Schwaben und unsere Marotten feiern. Wir haben einen kleinen Schwaben-Guide mit fünf Tipps für Neigschmeckte zusammengestellt.

Und da geht´s auch schon los: „Neigschmeckte“. Genau so nennen wir Schwaben eben die Nicht-Schwaben, also Zugezogene.

 

1. Schwäbisch schwätza

Schwäbischsprechen muss gelernt sein. Dazu gehören völlig neue Wortkreationen, wie „Breschdlingsgsälz“ (Erdbeermarmelade) oder „Schädlbromma“ (Kopfschmerzen), aber auch Begriffe, die im Schwäbischen eine etwas veränderte Bedeutung haben. So bezeichnet der Schwabe das gesamte Bein als  „Fuass“, zu deutsch „Fuß“. Wichtig ist es dabei recht laut und aus vollem Herzen zu sprechen. Dabei kann es tatsächlich auch zu unangenehmen Verwechslungen kommen: Sagt jemand „I hann Sie arsch neulich vrsucht azomrufa“, so will er damit niemanden beleidigen, sondern lediglich sagen: „Ich habe Sie erst neulich versucht anzurufen“.

Im Schwäbischen ist man zudem kein Freund von genauen, eindeutigen Aussagen. Wenn´s dir geschmeckt hat, sagst du „Scho recht“, wenn du jemanden liebst, sagst du „I mog di scho a weng“. Eine absolute Wissenschaft für sich, sind Uhrzeiten auf schwäbisch. Die versteht so gut wie kein Nicht-Schwabe. Wie viel Uhr „femf vor dreiviertel zehne“ genau ist... tja ;)

 

2. Fußball

Ach ja. Der Stuttgarter VfB sorgt häufig für eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Aber: Die Stuttgarter lieben ihren Verein. So pilgern während der Saison Tausende VfB-Fans ins Mercedes-Benz-Stadion, um die Spieler beim boltza anzufeuern (wie ihr seht, schmeißen wir hin und wieder schwäbische Wörter in den Text ein, um euch die Sprache langsam aber sicher ein wenig näher zu bringen). So ist es ein absolutes Muss wenigstens einmal im Leben im Stuttgarter Stadion gewesen zu sein. Dort kann man die Leidenschaft für Ballsport gepaart mit schwäbischer Kultur hautnah erleben.

 

3. Schdau

Ja, wir sind schwäbische Feinstaubstadt Nummer eins. Und Staustadt Nummer 1. Wenn der Stuttgarter Schwabe unter der Woche ab 17 Uhr mit dem Auto durch Stuttgart oder aus Stuttgart raus fährt, so verbringt er leider häufig Zeit im Stau. Dann regt´s den Schwaben natürlich auf, wenn ein anderer Fahrer mal die grüne Ampel verpennt. Hier ist es wichtig zu beachten, dass der Schwabe auch gerne einmal flucht, aber nur dann, wenn´s keiner hört. Man will ja schließlich keinen Ärger. Da ärgert man sich lieber selbst. Deshalb hier ein kurzer Crashkurs, wie man sich als ärgernder Schwabe im Stau verhält: Innerlich die Wut langsam aufsteigen lassen. Ein kurzes „Scheißdregg“ raushauen. Leicht nervös auf dem Lenkrad trommeln. Ein klein bisschen anfahren, vielleicht einen Zentimeter. Es könnte ja helfen. Die Wut sich ausbreiten lassen. „Mi prässierts!“. Schneller atmen. Endlich ist es grün. „Jetz fahr halt, du Grasdaggl!“. Bitte hier Fenster geschlossen halten. Ein vorsichtiges, kurzes, aber knackiges Hupen. Du schaffst es grad noch über die Ampel. Jetzt biegt der Vordermann, der das ganze Chaos verursacht hat, endlich rechts ab. Du fährst weiter geradeaus und haust beim Vorbeifahren nochmal richtig auf die Hupe.

 

4. Kehrwoch

Dieser Abschnitt ist nun besonders wichtig und wir bitten um höchste Konzentration und Aufmerksamkeit. Die Kehrwoche ist im Schwabenland so essentiell, wie atmen. Ohne geht nix. Deshalb ist diese, einem jeden Schwaben UND Neigschmeckten, auferlegte Pflicht von lebenswichtiger Bedeutung. Lebst du in Stuttgart, so hast du, je nach Anzahl der Wohnungen im Haus, in gewissen zeitlichen Abständen Kehrwoche, bzw. Kehrdienst. Jedes Haus gestaltet die Kehrwoche individuell. So gehört für manche das Ausspülen der Mülltonnen (ja, das machen wir Schwaben auch) zu den Pflichten in der Kehrwoche, für manch andere bedeutet das die gesamten Blumenbeete ums Haus zu gießen. Aber eins haben alle gemeinsam: es wird gekehrt. Das gesamte Treppenhaus. Und ums Haus herum. Gehst du deinen Pflichten gewissenhaft nach, so herrscht in deinem Hause Frieden und Harmonie. Tust du dies nicht... Probiere es lieber erst gar nicht.

 

5. Leibschbeis

Der Schwabe isst gern. Die Schwäbische Küche hat auch einiges zu bieten. Zwei sehr wichtige Fakten vorweg: 1. Der schwäbische Kartoffelsalat unterscheidet sich grundlegend vom norddeutschen Kartoffelsalat. Und 2. Die schwäbische Brezel ist viel besser als die bayerische. Setzt euch mit der Vielfalt der schwäbischen Kochkunst auseinander und probiert Maultaschen (auch „Herrgoddsbscheißerle“ genannt), Linsa mit Spätzle und Würschtla, Roschtbrata, Flädlesupp und Worschtsalat. Und: esst vor allem viel. Der Schwabe isst grundsätzlich immer, bis dr Ranza schbannt.

Das sind wir. Stuttgarter Schwaben. Wir hoffen, du bist nun ausreichend vorbereitet. Die Schwabenhauptstadt Stuttgart heißt dich herzlich willkommen! Schee, dass du do bisch!

 

Redaktion: Diana Birk

Bild: Diana Birk

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