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Heilig’s Bächle!

Stell Dir mal vor, es ist ein schöner Sommertag. Du sitzt an einem gemütlichen Sitzplatz, direkt vor Dir die prächtigsten Bauten der Stuttgarter Geschichte. Du nimmst Du einen tiefen Atemzug. Ahhh. Der Duft gebratenem Fleisch liegt in der Luft. Du schaust zu Deinem Sitznachbar und erblickst den schönsten Zwiebelrostbraten, den du seit dem letzten Besuch bei Deiner Omi gesehen hast. Im Sonnenlicht funkelt die saftige Oberfläche des Fleisches in der Trollingersauce betörend und fordert mit einer würzigen Note Deine Aufmerksamkeit. Daneben goldgelbe Spätzle und ein Beilagensalat. Knackig, grün und daneben ein paar pralle Tomaten. Du denkst dir: Genau DAS will ich auch haben! Eilig schlägst die Speisekarte auf und während Du nach dem Klassiker suchst, stolperst Du über immer wieder über andere warme und kalte Köstlichkeiten der schwäbisch-bayrischen Küche. Sogar frühstücken kann man hier. Jeden Tag von 9-12 Uhr und samstags gibt es sogar bis 16 Uhr Weißwürste und frischgebackene Brezeln. Wow. Du fotografierst die Karte ab und schickst sie deinen Freunden. Wie war das noch gleich? Du wolltest etwas bestellen. Zwiebelrostbraten mit Spätzle. Oder Doch lieber den Fellbacher Stangenspargel? Den gibt’s immerhin mit Kräuterflädle, Drillingskartoffeln und Sauce Hollandaise. Wer die Wahl hat, hat die Qual. Nach langem hin und her entscheidest Du Dich für Deinen Favoriten,bestellst ihn zusammen mit einem sprudeligen Augustinerpils bei der netten Bedienung und genießt wieder den Ausblick auf die Markthalle und den Karlsplatz – zwei Perlen der Stuttgarter Geschichte. Keine Minute Warten ist verschenkt. Während das Bier sich mit einem perligen Hefegeschmack in Deinem Mund verbreitet, folgt ein paar Minuten später das Prachtexemplar: Zwiebelrostbraten mit Spätzle in Trollingersauce. Du verfolgst ihn mit Deinen Blicken, während die Bedienung ihn wie eine Trophäe zu Dir trägt. Ja, er ist wahrhaft so schön, wie erwartet und aus der Nähe duftet es noch tausendmal besser als vorher. Du nimmst das Messer und schneidest ganz langsam durch das zarte Fleisch, nimmst ein paar Spätzle auf die Gabel und streichst die Trollingersoße ab und dann mhhhhh ...

Gute Nachrichten: Seit Kurzem dürfen wir solche Momente wieder im nesenbach erleben. Das einzige Augustiner Bräu in Stuttgart hat pünktlich zum schönen Wetter nicht nur im Innen-, sondern auch im Außenbereich wieder geöffnet. Dort lassen sich die schwäbisch-bayrischen Klassiker trotz der zentralen Lage im wuseligen Dorotheenquartier ohne Stress und Lärm der Großstadt genießen. Das liegt hauptsächlich daran, dass das nesenbach in einem ruhigen, verkehrsarmen Bereich liegt, indem man fern des Großstadtdschungels Speis und Trank genießen kann – und das sogar mit einem Ausblick auf architektonische Highlights aus zwei Epochen: das Jugendstilgebäude der Markthalle und den barocke Karlsplatz.

Zugegeben: Wenn wir diese Zeilen schreiben, merken wir erst, wie hart die Zeit ohne Fassanstich und schwäbische Gerichte mit bayrischem Touch eigentlich gewesen ist. Man vermisst das Augustiner-Feierabendbier, die Stammtischtreffen bei guter Hausmannskost und das süße und herzhafte Frühstück, das bei allen Stuttgartern so beliebt ist. Wir hoffen deshalb, dass das nesenbach erstmal nicht mehr wieder eröffnen muss, denn dann wären
wir wieder wirtshauslos. Und bekanntlich ist ein Leben ohne Wirtshaus ist möglich, aber sinnlos.

P.S. Im nesenbach gibt es auch eine reichlich Auswahl an vegetarischen und veganen Gerichten.

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