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"Old School - Die Zukunft kann warten" von Özcan Cosar

Lachen ist Balsam für Seele und Körper!

Irgendwer hat das sicher irgendwo auf Facebook auf einem roten Hintergrund gepostet und als die ultimative Philosophie deklariert. Das ist die neue Allgemeinbildung im Übrigen: Philosophie auf Facebook. Aber das sei dahingestellt, ist schliesslich nicht das Thema. Lachen wirkt jedoch tatsächlich wie Balsam für die Seele und den Körper. Es euphorisiert und wirkt vitalisierend, besser als jedes Vitaminwasser. Dank des Glückshormons Serotonin, welches beim Lachen ausgeschüttet wird, fühlen wir uns wohl und glücklich. Dadurch, dass über hundert Muskeln, von Gesichts- bis Atemmuskulatur beteiligt sind, werden die Körperzellen mit mehr Sauerstoff versorgt und das Lachen wirkt sich sozusagen positiv auf Herz und Kreislauf aus. Das sagt zumindest Michael Titze, welcher Dozent am Märkischen Institut für Psychotherapie in Baruth/Mark ist.

Lachen ist gesund so das Fazit.
Ich beschäftige mich mit der Frage wie Comedians demnach einzustufen sind. Sind sie in etwa sowas wie Heilpraktiker? Ein Comedian, dessen Name mir partout nicht mehr einfallen will, sagte einmal, dass gute Comedians den gleichen Zweck erfüllen wie Prostituierte, sie unterhalten und verwöhnen ihre Kunden und verabschieden diese in vollster Zufriedenheit. Der Comedian unterhält oft nicht nur, sondern gibt den Besuchern auch etwas auf den Weg mit. Eine Botschaft, oft ummantelt in rhetorischen Mitteln wie Ironie, Sarkasmus, Satire und Zynismus.

Die Botschaft von Özcan Cosar ist klar und deutlich: Die Zukunft kann warten!

Wir leben in der Gegenwart und sollten für einen Augenblick all die Sorgen und Zukunftsängste vergessen, mit dem zufrieden sein was wir haben und die Tatsache zelebrieren, dass es uns allen hier in Deutschland recht gut geht.
In seinem neuen Soloprogramm, das dritte mittlerweile, thematisiert Özcan Cosar die Erlebnisse seiner Kindheit und Jugend, spricht über die guten alten Zeiten und verziert das Ganze mit unheimlich lustigen Anekdoten. Natürlich vergleicht er selbstironisch türkische und deutsche Gepflogenheiten und berichtet über unterhaltsame Erziehungsmethoden seines Vaters.
Der Comedian, der von seinem Vater als „Arbeitsloser der Witze erzählt“ tituliert wird, schafft es fünf aufeinanderfolgende Shows im Theaterhaus auszuverkaufen und jede einzelne unter tosendem Beifall zu beenden. Betrachtet man seine riesige Fanbase könnte er das mit Sicherheit noch etliche Male schaffen. Wer das Glück hatte ihn in seinen Anfängen kennenzulernen, erinnert sich schmunzelnd an die Zeit, als er auf Hip Hop Jams neben tänzerischen Einlagen dadurch glänzte, dass er reihenweise Menschen um sich versammelte und diese zum Lachen brachte. Später tat er das gleiche zu unterschiedlichen Anlässen als Moderator auf der Bühne.
Ich persönlich durfte Özcan als bodenständigen, witzigen und charismatischen Jungen kennenlernen und freue mich über seinen jetzigen Erfolg. An einer Stelle in seinem Programm sagt er, dass er nicht davon ausgehe, dass es eines Tages mal eine Statue von ihm geben werde, da die Comedians nicht dafür bekannt seien einen so immensen Beitrag für die Welt zu leisten und zu hinterlassen. Ich widerspreche da ganz klar und sage das genaue Gegenteil.
Özcan Cosar verändert zwar nicht die Welt des Lachens, aber verändert die Welt eines jeden einzelnen Besuchers im Saal, auch wenn es nur für 120 Minuten ist. Özcan Cosar animiert auf humoristische Art und Weise zur Selbstreflektion, weist auf Missstände hin und regt dazu an über selbstverständliche Dinge nachzudenken. In schwierigen politischen und gesellschaftlichen Zeiten wie diesen, ist genau das von Nöten, denn Lachen ist eben Balsam für Seele und Körper.

Foto: Theaterhaus Stuttgart

Text: Victor Amiri

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