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„Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut.“ (Henry Cartier-Bresson)

Beim Stöbern im Netz stossen wir immer wieder auf interessante Instagramprofile. Wir sind natürlich immer auf dem Sprung, was daran liegt, dass wir übersättigt von den unzähligen Angeboten sind. Jedoch gibt es auch immer das ein oder andere Profil, welches uns dazu bringt länger zu verweilen, runterzuscrollen, Fotos anzuklicken, anzuzoomen, zu liken, zu teilen und was man sonst noch alles mittels Social Media machen kann.
Eines dieser Profile, das dazu animiert eine Weile zu verweilen, trägt den Namen viewsofviews!
Die Instagramseite illustriert den reichen Fundus an Bildern, die dem talentierten Fotografen Alexi Tacos zu verdanken sind.
Der 25-jährige Alexi, dessen bürgerlicher Name Alexandros Tiakas ist, studiert derzeit Business Administration an der FOM in Stuttgart. Durch den flexiblen Stundenplan der Hochschule, ist es ihm möglich seiner Leidenschaft und selbstständigen Tätigkeit als Fotograf nachzugehen. Er widmet sich erstaunlicherweise erst seit einem Jahr der Fotografie und stand uns Rede und Antwort im folgenden Interview, bei dem er uns so einiges über seine Erfahrungen, Pläne und Ziele erzählte.


1. Alexi, erzähl uns doch mal wie Du zur Fotografie gekommen bist?

Das ist eigentlich sehr spontan entstanden. Dazu müsste ich kurz meinen Background erläutern. Ich glaube die Basis liegt bei uns in der Familie, da viele eine kreative Veranlagung haben. Erste Erfahrungen auf diesem Gebiet habe ich in Amerika gemacht. Ich bin damals mit 17 nach Denver, Colorado, um dort an einem einjährigen Schüleraustauschprogramm teilzunehmen. Auf der Thomas Jefferson High School konnte man ziemlich interessante Fächer auswählen wie Kurse für Gewichtheben, Töpfern, TV Redaktion, Photo Journalism, und viele andere Kurse die man leider nicht an deutschen Schulen angeboten bekommt. Ich belegte den Photo Journalism Kurs, in dem wir dann die Möglichkeit hatten mit richtigen Kameras zu arbeiten und die Grundlagen von Photoshop und Final Cut zu erlernen. Die meiste Zeit aber verbrachten wir draußen und machten Bilder oder Videos. So kam ich zur Fotografie, wobei der Entschluss, dass ich die Sache richtig offiziell angehe erst viel später kam. Ich machte nach der Zeit in Amerika mein Abitur und war erst mal auf einem komplett anderen Film. Ich weiß eigentlich auch nicht was in mich gefahren war als ich anfing an der Hochschule Pforzheim Steuern zu studieren. Ich habe 5 Semester ausgehalten und merkte, dass mich dieses Berufsfeld nicht glücklich machen wird und ich eher das Bedürfnis habe etwas zu tun was mich wirklich erfüllt. Anfang 3. Semester fing ich an mit der Kamera meiner Freundin erstmals Bilder von ihr und meinen Freunden zu machen. Danach ging alles recht schnell. Ich kratze mein Geld zusammen und kaufte mir meine erste Kamera, eine Sony Alpha 7 und schoss meine ersten Bilder auf einem Urlaub auf Mykonos.

2. Wie sind deine Erfahrungen nach einem Jahr?

Ich habe sehr viele positive und negative Erfahrungen gemacht. Positive Erfahrungen waren definitiv meine Bilder in einem Magazin oder in einem Store aufgehängt zu sehen, wie in dem Juice Magazin, Snipes oder im Breuninger. Ich finde es erstaunlich, wie leicht es eigentlich heutzutage ist, sich mit Leuten zu „connecten, die für einen irgendwie unerreichbar schienen. Die positiven Erfahrungen zeigen mir wirklich, dass man eigentlich alles erreichen kann, wenn man sich etwas vornimmt. Vor einem Jahr hätte ich mir gesagt, träum nicht so viel. Dieses Jahr denke ich ganz anders und muss mich beherrschen nicht zu übertreiben mit dem Träumen, weil ich einfach merke das alles möglich ist. Und dann sind da auch die negativen Erfahrungen. Ohne näher darauf einzugehen würde ich sagen, dass diese für mich definitiv die wichtigsten und notwendigsten Erfahrungen waren. Sie gehören einfach dazu, und sind für mich einfach wie kleine Backpfeifen die dir das Leben verteilt, um dir zu sagen wie du es in Zukunft besser machen kannst. Deswegen ist gerade am Anfang sehr empfehlenswert einfach so oft wie möglich auf die Schnauze zu fallen, um gegen alles gewappnet zu sein.

3. Welcher Fotograf ist dein Favorit und wieso?


Also ich glaube mein griechischer Kollege Platon ist momentan immer noch derjenige, welcher mich bis jetzt am meisten inspiriert hat, obwohl er kein Fashion-Fotograf ist. Er arbeitet für Zeitschriften und hat eigentlich schon die einflussreichsten Menschen von P.Diddy bis zu Putin auf dieser Welt portraitiert, und dabei ist es ziemlich interessant auf was er achtet. Er sagt über sich selber, dass er eigentlich kein Fotograf sei, sondern die Kamera nur ein Werkzeug sei.
Es gibt eine Doku über ihn, die ich jedem ans Herz legen möchte. Aber dann gibt es noch ganz andere Fotografen, die mich genau so sehr begeistern, wie z. B. Mario Testino. Ich glaube man muss nicht viel zu seinen Fähigkeiten sagen, er wird schon „Mr. Vogue“ genannt und ist international einer der bekanntesten und angesagtesten Fashion-Fotografen unserer Zeit.
Ich sehe mir gerne an wie diese Fotografen arbeiten, denn man kann so viel von Ihnen lernen. Es gibt so viele großartige Fotografen, auch weniger bekannte, die mich inspirieren, aber bei allen merkt man auf jeden Fall, dass Sie Künstler sind, und sich nicht nur auf die Technik verlassen, die die Kamera zu bieten hat. Sie wissen genau was alles notwendig ist, um alle Faktoren in einem Shooting einzubauen, um exakt das Bild zu erhalten, auf das sie hingearbeitet haben.

4. Kamera kaufen, Objektive besorgen, Photoshop auf den PC und los gehts. Reicht das oder braucht es mehr um ein guter Fotograf zu werden? 


Nein, das reicht auf jeden Fall nicht. Wie Platon gesagt hat ,eine Kamera ist nur ein Werkzeug. Ich ergänze dann noch mit eine Kamera, Objektive, und Photoshop sind alles Werkzeuge, doch wie in jeder Form der Kunst sind diese nur dazu da, um etwas auszudrücken und Momente und Emotionen einzufangen. 
Ich finde dass die Ideen, die Perspektive, das Empfinden und die Kunst es zu schaffen, Leute auf dein Bild aufmerksam zu machen, indem du Gedanken, Bewunderung, oder sogar Verabscheuung bei Ihnen auslöst einen guten Fotograf ausmachen. Und um das zu schaffen muss ein Fotograf wiederum viel mehr als nur die Technik beherrschen, er muss auch in der Lage sein diese Gefühle und diese Bindung zu seinen Motiven aufzubauen und es kann auch nie schaden sich die Bereiche, die mit der Fotografie verknüpft sind anzuschauen. Dein Know-How und wie du diese Verbindungen aufbaust, machen dich meiner Meinung nach erst zu einem guten Fotografen. Mit den Werkzeugen schleifst du dann deinen Diamanten bevor du es dem Kunden übergibst.

5. Wo in Stuttgart hast Du dein bestes Foto geschossen?

Ich glaube auf dem Dach von Cloud 7 habe ich ein paar echt geile Aufnahmen gemacht. Mir gefallen auch die Bilder, die ich am Hafen bei den Containern in Hedelfingen gemacht habe.

6. Irgendwelche lustigen Erfahrungen die für dich unvergesslich sind?

Eine Situation im Urlaub auf Mykonos, wo ich mein letztes Shooting hatte, war meiner Meinung nach bis jetzt die lustigste Erfahrung. Meine Freundin und ich sind zum Shooten auf die Felder raus. Um dorthin zu gelangen mussten wir über eine Steinmauer klettern. Alles lief gut bis wir bemerkten, dass ein Schäferhund zu bellen begann. Er hörte nicht auf, und als wir weiter liefen sahen wir eine große Schafsherde. Plötzlich blökten alle auf einmal und rannten auf uns zu. Es waren zwar nur Schafe, aber wenn da 30 von denen auf einmal anfangen dich zu jagen, dann bekommst du es mit der Angst zu tun und rennst weg. Meine Freundin verwandelte sich in Usain Bolt und hat nicht mal mehr zurückgeschaut haha und ich habe während ich um mein Leben rannte immer wieder nach hinten geschaut ,um zu sehen wie schnell die überhaupt sind und ob wir wirklich in Gefahr sind. Ich sah nur wie ein Schaf sogar über eine Abgrenzung sprang und somit wohl schneller als die anderen war. Aber wir hatten Glück und sind dann schnell über eine Mauer gesprungen, bei der die Herde dann zum Glück stehen blieb. Danach haben wir uns erst mal kaputt gelacht, ich hab echt noch nie so aggressive Schafe gesehen. Das wars für mich mit Schafe zählen vor dem Einschlafen.

7. Was sind deine Pläne und Ziele?

Also ich habe für das kommende Jahr einen langfristigen Plan erstellt und mir intensiv über die Bereiche Gedanken gemacht in die ich meine Energie und Zeit investieren will. Im letzten Jahr habe ich mich ja regelrecht in Arbeit gestürzt und jede Woche mindestens 3-4 mal geshooted. Wenn mich jemand gefragt hat, ob ich am nächsten Tag spontan Zeit hätte, dann war ich direkt dabei. Ich habe sehr viel im Street-Fashion Bereich geshooted und auch Events fotografiert wie Hochzeiten, Firmeneröffnungen etc. Ich will in diesem Jahr quantitativ einen Gang zurückschalten und mehr Zeit in die Planung und Umsetzung von größeren und qualitativen Projekten investieren. Ich habe mir ein kleines Team aufgebaut mit dem ich etwas Großes bewirken kann. Es ist Zeit ein paar richtige Touchdowns zu machen und glaube deswegen, dass das wichtigste Ziel für dieses Jahr ist, richtig in der Fashion Branche anzukommen und damit meinem persönlichen Traum einen Schrift näher zu kommen. Mein Traum ist es mit der Fotografie die Welt zu entdecken und mit Leuten aus aller Welt zu connecten und ein Atelier zu eröffnen, eine kreative Werkstatt mit einem coolen Team. Auch wenn einige diesen Traum belächeln halte ich an meinen Zielen fest, schliesslich wird es immer Menschen geben, die uns einreden wollen, dass wir dies und das nicht schaffen können. Je älter ich werde, desto weniger interessiert es mich, was wer über mich oder meine Vorhaben denkt. 


Wir bedanken uns für das Interview und wünschen Alexi nur das Beste für die Zukunft!

Text & Interview: Victor Amiri

Foto: Alexi Tacos

 

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