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Aus Liebe zum Sport

Aus Liebe zum Sport

Ob ich gerne etwas beitragen möchte auf der neuen Seite, fragte man mich. Ich sei zwar polarisierend, aber eben auch amüsant hieß es. Nun ich bin sehr erfreut darüber, dass die Führungsriege der Seite „Dein Stuttgart“ auf mich zugekommen ist und mir die Möglichkeit offerierte ein paar Zeilen niederzuschreiben über bestehende oder zukünftige Projekte und Wünsche oder Vorstellungen, wie man unsere schöne Stadt noch besser machen könne. Trotz des virulenten Flüchtlingsthemas, möchte ich doch über ein Thema schreiben, das für manche vielleicht aus dem Fokus geraten ist, mir jedoch immer noch sehr am Herzen liegt. Es geht um das Thema Basketball und dem dringlichen Wunsch nach öffentlichen Freiplätzen.

Es ist leider heutzutage so, dass trotz der grossen angebotenen Vielfalt an Sportmöglichkeiten in unserer Region, der sportliche Geist nicht wirklich bis in alle Ecken durchgedrungen ist. Wieso das so ist wird man sich fragen? Weil wir immer noch über bürokratische Hürden stolpern und es manchmal scheint, als müsse man ohne Stab den bürokratischen Stabhochsprung bewältigen um Erfolg zu haben. Wer annimmt, er könne problemlos und ohne Weiteres eine Sportveranstaltung durchführen, wird sehr schnell eines Besseren belehrt. Dabei ist es von so grosser Bedeutung, regelmässig diverse Sportmöglichkeiten für unsere jüngeren Mitbürger anzubieten. Das beste Beispiel hierfür ist der Sportkreis Stuttgart, der mit der Mitternachtssport Initiative seit vielen Jahren Abhilfe schafft. Ohne diesen einen Herrn, namens Dominik Hermet, der immer ein offenes Ohr für Ideen hat und alles in seiner Macht stehende tut um Basketballprojekte zu realisieren, ohne ihn gäbe es zum Beispiel, das nun seit 7 Jahren bestehende Weihnachtsturnier „Santa Hoops“ nicht. Eine Basketballhalle zur Weihnachtszeit bekommen als Normalsterblicher? Das ist fast so unmöglich wie ein Montag ohne Demo.

Aber der Mitternachtssport hat mittlerweile Tradition, unlängst hat man sogar dafür den Migrationspreis bekommen, verdient ist das allemal. Schliesslich war der Grund, der den Weg geebnet hat ein ehrenhafter: Man wollte Kids und Jugendlichen eine sportliche Alternative bieten abends, bevor man in den Bann von Drogen und Alkohol gezogen wird. Man wollte Menschen zusammenbringen aus unterschiedlichen Kulturen und sozialen Schichten. Den sportlichen Geist und das Teamgefühl fördern.
Klingt gut soweit stimmts? Reicht das aber? Ich denke nicht!

Die zuständigen Ausschüsse, Gemeinderäte, Politiker, Kultusminister usw. müssen endlich mal einsehen, dass Sport nicht nur ein Schulauftrag ist oder Sache der Vereine. Vielmehr müssen sich Jene damit befassen, die das Budget vorgeben und ständig daran feilen und ausgerechnet dort kürzen, wo es von Nöten ist. Natürlich ist das Sportangebot und die Förderung hier in Stuttgart deutlich höher als in vielen anderen Regionen Deutschlands, aber man kann immer mehr machen. Als kleines Kind ging ich immer voller Freude auf den Freiplatz um mit meinen Freunden Basketball zu spielen. Leider erging es uns damals so, wie heute allen jüngeren Kindern. Weil die älteren Jungs Fussball spielen möchten und die Basketballkörbe entweder über dem Tor installiert wurden oder das Basketballfeld quer über das Fussballfeld verläuft, schickt man die Jüngeren weg und vertröstet sie mit einem „Wir sind gleich fertig dann dürft ihr spielen“.

Man kann nicht einen Fussballplatz bauen und über jedes Tor einfach einen Basketballkorb hängen und denken man hätte nun die Welt gerettet. Ich frage mich ernsthaft was man sich dabei gedacht hat? Hat man diese Sportplätze nach einem Wasenbesuch bewilligt? Sogar in armen Ländern hat man es geschafft Freiplätze zu bauen ohne Basketballkörbe über Fussballtore zu installieren. Ich wundere mich, ob diese Herrschaften jemals einen Fuss auf solch einen Sportplatz gesetzt haben. Schliesslich waren sie doch selbst einmal ein Kind und hatten das Bedürfnis sich draussen, im Freien oder in der Natur, zu verausgaben, zu laufen, zu spielen. Natürlich verstehe ich, dass man Platz sparen und effizient sein wollte. Aber sollten wir tatsächlich daran sparen? Sollten wir tatsächlich die Sportmöglichkeiten möglicher Talente eingrenzen? Ist Sport so unwichtig geworden, oder ist Sport nur wichtig wenn es um Fussball, Handball und Tennis geht? Vielleicht ist Sport auch nur interessant und gut, wenn man es im TV sehen kann. Sobald es vor der eigenen Haustüre passiert, könnte es zu laut sein. Dafür sind wir Stuttgarter ja weltberühmt. Zu Lamentieren was das Zeug hält.

Wie erklärt man denn sonst, dass kleinere Bolzplätze in neuen Wohnsiedlungen gebaut wurden, damit die Jugendlichen und Kinder sich sportlich betätigen können, man diese aber nach einer
gewissen Zeit mit zeitlichen Einschränkungen belegt hat, da die Mehrheit der Anwohner sich an der Lautstärke störte. Junge, kinderreiche Anwohner wohlgemerkt, nicht die angeblich „immer motzenden“ Senioren. Es klingt irgendwie doch nach einem rein schwäbischen Problem, sind wir doch bis nach Berlin dafür bekannt, in angesagte Gegenden zu ziehen und diese dann willkürlich zu verändern und mobil zu machen gegen, nennen wir es Dinge, die diese Gegend doch so anziehend gemacht haben.

Es ist an der Zeit aufzustehen und etwas zu tun. Es ist an der Zeit Basketballplätze im Raum Stuttgart zu bauen, die nur für Basketballer gedacht, zentral und mit öffentlichen Verkehrsmittel zu erreichen sind. Wir brauchen Freiplätze deren Benutzung nicht von Schulferien oder von der emotionalen Verfassung der Hausmeister abhängig ist. Freiplätze auf denen Basketball begeisterte Kinder, Jugendliche und Erwachsene ihren Lieblingssport im Freien ausüben können, ohne dass Fussbälle quer durch die Luft fliegen. Bolzplätze gibt es mittlerweile zu Genüge. Es ist nur eines von vielen Themen für die wir flexibler werden und die starre Haltung ablegen müssen. Veränderungen sind das was wir hier brauchen. Wir brauchen nicht noch mehr Büroräumlichkeiten, leerstehende Gebäude und Münchener Franchiselokale. Wir brauchen Freizeitmöglichkeiten und Flächen um diese zu bebauen und zu gestalten. Und ich hoffe, dass wir das zusammen mit dem Sportkreis Stuttgart und der Hilfe von einige Vereinen und Unternehmen meistern können, damit das nicht ewig ein Traum bleibt!


Victor Amiri

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