Wetter | Stuttgart
5,8 °C

„ Technologie inspiriert Kunst“

„ Technologie inspiriert Kunst“

Die meisten Stuttgarter kennen das Internationale Trickfilmfestival (ITFS) vom Open-Air-Kino am Stuttgarter Schlossplatz, allerdings hat es weit mehr zu bieten: ein umfangreiches Filmprogramm in den Innenstadtkinos sowie zahlreiche Gastspielstätten, wie das Mercedes Benz Museum, die Wilhelma oder die Breuninger Wall of Animation und die Trickfilmlounge im Gerber. Darüber hinaus gab es auch in diesem Jahr eine Game Zone im Kunstgebäude, in der Computer-, Konsolen- und Virtual Reality-Spiele auf 2.000 qm ausprobiert werden konnten. Damit sollte laut Prof. Ulrich Wegenast, Künstlerischer Geschäftsführer des ITFS, ein Zeichen gesetzt werden, dass Games zur heutigen Kunst- und Kulturszene dazugehören.

 

Zeitgleich zum ITFS findet jährlich auch der Fachkongress FMX im Stuttgarter Haus der Wirtschaft statt. Vier Tage lang gaben 307 Referenten in rund 285 Veranstaltungen Einblick in die Entstehung digitaler Welten und Geschöpfe. Überwiegend Studenten und junge Menschen nehmen an der FMX teil, um Anekdoten und Kniffen der Experten zu lauschen. 4.000 Teilnehmer aus über 61 Ländern waren im Jahr 2017 bei der internationalen Konferenz dabei, die sich 2017 auch auf den Kinosaal Gloria 2 sowie das Planetarium Stuttgart erstreckte. Von der Entstehung der Charaktere von „Guardians of the Galaxy 2“, über das Design von „Star Wars“ bis hin zu der künstlerischen und musikalischen Gestaltung des viralen Musikvideos „Pearl“ wurde inhaltlich ein umfangreiches Programm zum Themengebiet digitales Entertainment geboten.

 

Besonders gefragt waren die Vorträge von den Filmemachern von Disney, wie der von Sound Designer David Fluhr. Er präsentierte wie kleine Veränderungen in der Musik großen Einfluss auf die emotionale Wirkung eines Films haben. „Ist die Musik zu laut, könnte dies von der Hauptfigur ablenken, daher sollte Musik eingesetzt werden, um die Aufmerksamkeit auf die wichtigen Inhalte der Geschichte lenken“, erklärt Fluhr. Der US-Amerikaner arbeitet seit 2004 bei Disney und hat zuletzt an „Viana“ und „Zoomania“ mitgewirkt. Er meint, dass seine Arbeit außerdem viel mit ausprobieren zu tun hat. Der Höhepunkt in „Die Eiskönigin“ beinhaltete in der ersten Version dramatische Musik und einen tobenden Schneesturm, doch schlussendlich entschied man sich für absolute Stille. So fokussieren die Zuschauer einzig und allein das Bild und damit die Schlüsselszene der Geschichte. Eine Herausforderung ist ferner die Übersetzung der Filme, die bei Disney mittlerweile in 47 Sprachen erfolgt.

 

Die FMX zeichnet sich durch Referenten aus, die Einblicke in die Entstehung weltweit erfolgreicher Filme auf anschauliche und oft unterhaltsame Weise geben. So finden sich in einigen Vorträgen persönliche Fotos aus der Kindheit oder Jugend, aber auch Bilder vom Arbeitsplatz oder betrieblichen Reisen. Für „Viana“ machten die Filmemacher Ausflüge in ein Schwimmbad, eine Katamaran-Tour und reisten nach Tahiti und Bora Bora, um die Natur, das Wasser und die polynesische Kultur zu studieren. „Der Antrieb künstlerischer Entscheidungen rührt aus der Geschichte“, sagt Justin Weber von Disney Animation Studios. Für ihn ist Disney nicht nur ein Arbeitgeber, sondern ein Ort der Inspiration und Zusammentreffen von Talenten. Er verweist in seinem Vortrag auf John Lasseter, Trickfilmregisseur und -produzent von Disney, der den Entstehungsprozess von Animationsfilmen folgendermaßen beschreibt:„Kunst fordert die Technologie heraus und Technologie inspiriert Kunst.“

 

Neben langjährigen Filmexperten referieren auch junge Talente auf dem Fachkongress FMX. Der ehemalige Student der Filmakademie in Ludwigsburg, Andreas Feix, präsentierte Fanprojekte bekannter Filme und Spiele. In Stuttgart arbeitete der Effekte-Macher bei Pixomondo und Mackevision, die zu den Weltmarktführern datenbasierter Visualisierung zählen. Dort arbeitete Feix an den Spezialeffekten für die dritte und vierte Staffel der Erfolgsserie „Game of Thrones.“ Aktuell ist er in London für ILM tätig und macht Effekte für „Transformers 5.“ Er schätzt es an Filmen zu arbeiten, die Menschen berühren. Die FMX ist für ihn nicht nur ein Ort hochwertiger Fachvorträge, sondern auch eine Gelegenheit seine Mitstudenten wieder zu sehen. Was die Schwabenmetropole sonst noch für Feix ausmacht? „Schwäbisches Essen und ein guter Döner, das gibt es in London nicht“, lacht Feix. Auch die idyllischen Rückzugsorte in Ludwigsburg lassen ihn gerne in seine Zeit im Schwabenland zurückblicken, daher lohnt es sich die FMX mit einem Heimatbesuch zu verknüpfen.

 

Einen Überblick über die Highlights der Game Zone des ITFS gibt es hier:

https://www.facebook.com/dein.stuttgart/videos/1996942080542989/

 

Das VR-Spiel von Vicon auf der FMX simuliert einen Schwertkampf:

https://www.facebook.com/dein.stuttgart/videos/1995630630674134/

 

 

Redaktion: Nadine Hammele

Bilder: Nadine Hammele

Teile diesen Artikel: